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Dieburg und Altenkirchen

Zwei Vortragseinladungen führten mich im März in andere Regionen: Nach Dieburg bei Darmstadt wurde ein Vortrag gebeten, den wir angesichts des aktuellen Ölpreisverfalls betitelt hatten mit: Ölpreisabsturz - Alles wieder gut? Ich argumentiere derzeit mit den Risiken, die der niedrige Ölpreis für die Investitionen mit sich bringt: Bei 50 US$ Erlös statt 100 US$ Erlös kürzten diverse Ölkonzerne ihre Investitionsbudgets um Milliarden. Woher soll das Öl der Zukunft kommen, wenn bekannte Felder nicht entwickelt und neue nicht gesucht werden?

Eingeladen hatte der sich derzeit findende Bürger-Energie-Tisch Dieburg. Eine parallel angesetzte Sitzung eines Arbeitskreises der Stadtverwaltung wurde spontan in den Vortragssaal verlegt. So waren auch Stadträte anwesend. Bemerkenswert an Dieburg: Die hohe Zahl an Pendlern und die sich daraus ergebenden Risiken bei Ölpreissprüngen:

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Pendler in Dieburg: Drei Viertel aller Arbeitenden fahren raus aus der Stadt, nur 17,5% der in der Stadt Arbeitenden wohnen auch in ihr.

 

Nach Altenkirchen im Westerwald lud ein Netzwerk verschiedener Organisationen vor Ort: Das soziokulturelle Zentrum "Felsenkeller", das Gewerbenetzwerk Wiben, der 1-jährige Regionalladen Unikum, die evangelische Landjugendakademie und auch die Stadtverwaltung waren beteiligt. Der bemerkenswerte Regionalladen, der als Umschlagplatz für Produkte lokaler Hersteller und als Vernetzungsort funktioniert, war am Abend gut gefüllt und es wurde angeregt diskutiert. Mein Tenor: Der Gipfel des fossilen Zeitalters nötigt uns Anpassungen ab, diese setzen die regionale Ebene neu in Wert. Bausteine, wie die RegionalWert AG, die Dresdner Verbrauchergemeinschaft oder Regiogeld stellte ich vor. Ob es einen zweiten Versuch mit Regionalgeld nach dem Ende der "Brodeinheit" im Westerwald geben wird, wird sich zeigen.

Regionalladen "Unikum", Altenkirchen im Westerwald

Regionalladen "Unikum", Altenkirchen im Westerwald

Tags drauf kamen ca. 25 Unternehmer, Verwaltungsmitarbeiter und engagierte Bürger zu einem Vormittags-Workshop zusammen, den wir mit einer Analyse von Kaufkraftflüssen in die und aus der Stadt starteten, um dann lokale Fragen in Arbeitsgruppen zu behandeln. Auch wenn keine "exklusive Lösung" für die örtlichen Herausforderungen entstand, schien der moderierte Austausch den Teilnehmern sehr gut zu tun.

Danke an die Organisatoren vor Ort!

Land(auf)Schwung: Workshops zu Alternativen Finanzinstrumenten

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) will mit einem neuen Modellvorhaben strukturschwache Regionen fördern. Es heißt Land(auf)Schwung. Drei Landkreise aus jedem Bundesland sind eingeladen, Konzepte für sich im Rahmen von Land(auf)Schwung zu erstellen. 15 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Auf drei Zusammenkünften von Teilnehmern aus diesen Landkreisen gibt das Ministerium Anregungen, wie die Konzepte gefüllt und ausgearbeitet werden können. Das zweite dieser Treffen in Neudietendorf bei Erfurt behandelte am 18. und 19. Februar "Alternative Finanzinstrumente". Um regionale Strukturen zu entwickeln ist es hilfreich, wenn die Projektumsetzer oder Vernetzer auf vielfältige Finanzwerkzeuge zurückgreifen können.

Auf Einladung des Ingenieurbüro für Planung und Umwelt Erfurt (IPU Erfurt) stellte Sebastian Dürr (Chrosis) Beteiligungsmöglichkeiten als Mitunternehmer (Genossenschaften, Genussscheine) und Christian Rost (Büro für Urbane Zwischenwelten) diskutierte Schenkungen (Sammleraktien, Crowdfunding, Leih- und Schenkgemeinschaften). Diesen projektbezogenen Finanzierungsinstrumenten wurden regionenbezogene Instrumente gegenübergestellt. Josef Bühler von neuland+ diskutierte Themen- und Bürgerstiftungen, Bürgeraktiengesellschaften und (Mikrokredit-)Fonds. In meinen Workshops arbeiteten die Teilnehmer mit der Frage, wie Regionalwährungssysteme und Tauschringe für drängende Problemstellungen in den Regionen angewandt werden können. Dabei wurde vor allem die vernetzende und die kommunikationsauslösende Wirkung dieser Instrumente deutlich, aber auch die Grenzen und die Voraussetzungen für den Einsatz von Regiogeld und Tauschsystemen.

Schönstes Feedback: Es sei kurzweilig gewesen.

Selbst kennengelernt: Marktplatz der guten Geschäfte, Thüringen.

Prof. Frank Kolb: Lernen vom Römischen Reich

Immer mehr Menschen klagen darüber, dass die Europäische Union die regionale Selbständigkeit der einzelnen Staaten, Bundesländer und Städte einschränkt. Wir können aufgrund der Erfahrungen mit dem Römischen Reich sicher nicht die Zukunft Europas vorhersagen und etwa ein Zerbrechen der Europäischen Union prophezeien. Aber wir können Handlungsoptionen aufzeigen. Und eine Option wäre in diesem Fall, den Regionen in Europa eine starke regionale Selbstbestimmung zu garantieren. In der Geschichte hat das gut funktioniert.

Ein Zitat aus SPON-Artikel "Zukunftsforscher vs. Historiker: Zurück in die Gegenwart"

Zur Zukunft der Lausitz nach der Braunkohle

Am 14. September 2013 demonstrierten in Dresden ca. 300 vom Braunkohletagebau Betroffene und Randbetroffene aus dem Lausitzer und dem Leipziger Revier sowie unterstützende Dresdner gegen neue Braunkohletagebaue. Ich wurde gebeten, auf der anschließenden Kundgebung ein paar Gedanken zu äußern, die ich hier dokumentiere:

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In der Sächsischen Zeitung vom vergangenen Samstag war ein Leserbrief von Jens Dubrau aus Hoyerswerda. Er betonte, dass 90% der Lausitzer akzeptieren, dass in der Lausitz Bergbau betrieben wird. Diese Zahl hat eine jüngste Umfrage ergeben, die von der Gewerkschaft für Bergbau, Chemie und Erden in Auftrag gegeben wurde. Die Umfrage hat leider nicht erfragt, wie sich die Lausitzer die Zukunft in ihrer Heimat vorstellen.

Ich habe Zweifel, dass 90% der Lausitzer meinen, dass auch nach 2030 der Bergbau weiterhin die wichtigste Branche in der Lausitz sein soll. In der aktuellen Diskussion wird oft unter den Teppich gekehrt, dass es bei der Entscheidung für Nochten II und andere Tagebaue um Kohle geht, die nach 2030 gebraucht wird. Also in 15 Jahren. Viele der Bergleute und Kraftwerker von heute werden dann in Rente sein. Kämpfen sie also darum, dass auch noch ihre Kinder und Enkel neue Seen in der Lausitz anlegen?

Die Diskussion um die Braunkohle darf sich nicht allein um die Jobs von heute drehen. Sie muss sich um eine Vision für die Region drehen. Die Frage muss lauten: Wie wollen wir 2030 leben? Fühlt sich dann immer noch eine ganze Region abhängig von dem Rohstoff, der bereits seit 1980 an Bedeutung verliert? Heute arbeiten im Lausitzer Maschinenbau mehr Menschen als in den Tagebauen und den Kraftwerken und nochmal so viele arbeiten in der Ernährungswirtschaft. Dass über die Braunkohle mehr diskutiert wird als über den Maschinenbau und die Ernährungswirtschaft zusammen, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass wir Land wegbaggern. Land, auf dem Menschen leben.

«Jedes Jahr gehen in Deutschland rund 35 000 Hektar fruchtbares Ackerland verloren», sagt der Rostocker Bodenwissenschaftler Peter Leinweber. 35.000 Hektar. Jedes Jahr. Die Lausitz soll ihren Teil dazu beitragen: 1200 Hektar soll Nochten II kosten. Auf einer Ackerfläche dieser Größe ließen sich so viele Kartoffeln ernten, wie eine halbe Million Dresdner jährlich essen. Überall auf dem Planeten versuchen die Menschen Land zu gewinnen: In Dubai baut man Inseln in den Persischen Golf, Singapur erweitert sein Stadtgebiet ständig ins Meer hinein und in Holland versucht man mit raffiniertem Deichbau das Meer vom Land fern zu halten. Aber wir, hier in Sachsen, vernichten nutzbares Land. Wie werden sich wohl 2030 die großen Städte rund um die Lausitz ernähren? Berlin. Oder Dresden. Wo soll die Biomasse wachsen, die unsere Enkel nach dem Ende der Kohle brauchen werden, um Häuser zu heizen oder Treibstoffe herzustellen? Wir bewegen uns derzeit auf einem Pfad, der unseren Nachkommen die Überlebenschancen mindert.

Hier in Dresden hat der Stadtrat ein Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept beschlossen. Dieses Konzept sieht vor, den Kohlendioxid-Ausstoß so zu verringern, dass ab 2030 1 Million Tonnen weniger ausgestoßen werden als heute. Dresden hat Gründe, dies zu tun. Grund Nummer 1 ist: Dresden will sich unabhängiger von fossilen Energierohstoffen machen. Die Menge an Kohlendioxid, die eine Stadt ausstößt, ist ein Zahl dafür, wie abhängig sie von fossilen Energieträgern ist. Je weniger CO2 emittiert wird, umso unabhängiger. Grund Nummer 2: Das Hochwasser. Die zwei zerstörerischen Hochwasser, die in den vergangenen 10 Jahren durch diese Stadt gerollt sind, haben ihre Ursache in den zunehmenden Temperaturen auf diesem Planeten. 1 Million Tonnen CO2 weniger auszustoßen ist Dresdens Beitrag, einen weiteren Temperaturanstieg zu verhindern. Jedoch verdampft diese 1 Million Tonnen auf einen nahezu unwichtigen Beitrag, wenn man sie mit den Kohlendioxid-Emissionen vergleicht, die allein die Lausitzer Kohlekraftwerke in die Atmosphäre blasen. In der Lausitz werden jährlich 50 Millionen Tonnen CO2 in der Atmosphäre verkippt. Jedes Jahr also 50 mal so viel, wie die Stadt Dresden ab 2030 weniger emittieren will. Das Dresdner Ziel ist lobenswert, es ist aber bezüglich des CO2-Ausstoßes wirkungslos, wenn nicht irgendwo Kohlenstoff im Boden verbleibt. Wenn zwar alle Kommunen sogenannte Klimaschutzkonzepte aufstellen, aber dennoch alle verfügbaren Vorräte aus der Erdkruste gekratzt werden, um sie in Kohlendioxid zu verwandeln, dann kann man sich all diese Konzepte auch sparen. Wenn es wirklich das Ziel sein soll, die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre zu begrenzen, dann muss Kohlenstoff im Boden verbleiben. Aus Sicht der hochwassergeplagten Dresdner muss also die Frage diskutiert werden: Wäre es nicht sinnvoll, die Lausitz zur ewigen Kohlenstoffsenke zu machen, also zu einem Ort, wo Kohle bewusst nicht gefördert wird?

Ich muss zugeben, ich war einigermaßen überrascht, als ich vor einigen Monaten das erste Mal hörte, dass die Firmen, die die Braunkohle in Sachsen aus der Erde graben, dafür nichts bezahlen müssen. Ich erinnere mich an Meldungen aus aller Welt, wo die Einheimischen darum kämpfen, an der Rohstoffausbeute in ihrer Heimat beteiligt zu werden. Meist kommen solche Meldungen aus der sogenannten „Dritten Welt“, wo Einheimische sich von Großkonzerne über den Tisch gezogen fühlen. Ich war überrascht zu hören, dass der wertvollste Rohstoff Sachsens kostenfrei abgegeben wird. Die jährlich geförderte Kohle hat einen Marktwert von 600 Millionen Euro. Aber außer dass die Lausitzer dabei helfen dürfen, sie aus dem Boden zu holen, wird niemand an den Gewinnen beteiligt. Hinzu kommt, dass Tagebaue und Kohlekraftwerke keine Wassernutzungsgebühren zahlen, obwohl dieser Industriezweig Wasser in Mengen benutzt, gegen die jedes Wasserwerk blass aussieht. Die Wasserkraftwerke in Sachsen wurden Anfang diesen Jahres von der Befreiung der Wassernutzungsgebühren befreit - sie müssen also neuerdings zahlen. Ist es klug, dass wir von solchen Kleinstkraftwerken Gebühren erheben, aber die Großkraftwerke, die die Wasserqualität ja sehr viel stärker verändern, außen vor lassen? Angesichts leerer Kassen beschleichen mich hier Zweifel am wirtschaftlichen Sachverstand der Verantwortlichen.

Wirtschaftlicher Sachverstand wäre, die Kohleförderung und die Kohleverstromung durch Besteuerung so zu verteuern, dass Gewinne abgeschöpft werden, ohne dass die Zahl der Arbeitsplätze zurückgeht. Die eingenommenen Steuern sollten wieder in die Lausitz zurückfließen, um dort einen Strukturwandel zu finanzieren, bei dem Arbeitsplätze in neuen, anderen, zukunftsfähigen Branchen entstehen! So könnte die Kohle den notwendigen Wandel finanzieren, statt ihn zu blockieren.

Das Geld könnte beispielsweise eingesetzt werden, um die Kommunen in der Lausitz energieautark zu machen. Mit Nahwärmenetzen, großen Gas-Speichern, Methanisierungsanlagen und Energieerzeugungsanlagen, die aus erneuerbaren Energiequellen Überschuss-Strom machen, der in Methan umgewandelt wird, um Energie vom Sommer in den Winter zu schaffen. Das wäre ein Unterfangen, das eine Menge Jobs schafft. Es würde die Lausitz zu einer unabhängigen Region machen, die sich aus den weltweiten Kämpfen um die verbleibenden fossilen Rohstoffe raushalten kann. Es gibt in der Lausitz Maschinenbauer, die die nötigen Bausteine für solche lokalen Energieversorgungssysteme konstruieren könnten. Es gibt Baufirmen, die sowas bauen können. Es gibt Hochschulen, die solche Systeme entwickeln, erforschen und begleiten können. Warum so etwas nicht getan wird? Weil der Niedergang der Region nur verwaltet wird, weil Visionen einer lebenswerten Lausitz fehlen.

Ich kenne Menschen, die sind aus der Lausitz in die Schweiz gezogen. Dort gibt es gutbezahlte Jobs. Die Schweiz gilt als so etwas wie das moderne Paradies. Aber wie viele Entscheider aus der Lausitz waren denn mal in der Schweiz, um von dort zu lernen? Die Schweiz hat nichtmal Braunkohle. Daraus kann der Reichtum also nicht gekommen sein. Woher kommt er dann? Und warum konzentrieren wir uns nicht mal eine Zeitlang darauf, mehr gute Ideen in die Lausitz zu importieren, statt Land in Baggerseen zu verwandeln und Braunkohlestrom zu exportieren?

Danke.

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Am Vormittag desselben Tages positionierte sich die Domowina (erneut) gegen die neuen Tagebau-Pläne. Die Domowina ist der Dachverband der Sorben, die in der Lausitz als Minderheit lebend besonders vom Tagebau betroffen sind. Der sächsische Ministerpräsident entstammt einer sorbischen Familie, hat sich von der Position seiner Volksgruppe bislang jedoch nicht beeindrucken lassen. Der Mitteldeutsche Rundfunk verkürzte die Berichterstattung über die Demonstration in Dresden auf 2 Minuten. Obigen Text wollte der leitende Redakteur nicht mitnehmen, die von ihm gesammelten kurzen Statements (siehe Video) reichten ihm für seinen Job. Die Sächsische Zeitung dokumentiert das Ereignis ohne redaktionelle Anwesenheit mit dem Abdruck der Pressemitteilung der Organisatoren.

RegionalAtlas 1.06

Dass hier gerade wenig zu lesen ist, liegt an der Vielzahl zu bearbeitender Baustellen. Zwei Bachelor-Arbeiten wurden fertiggestellt, mehrere Veranstaltungen durchgeführt und weitere sind in Planung, ein starker Fokus liegt auf der Peak-Oil-Problematik (insbesondere im Thüringer Raum), in der Lausitz gilt es die Erweiterung der Braunkohletagebaue zu beobachten.

Wichtig ist: Unser RegionalAtlas ging jetzt in Version 1.06 beim Elbtaler und beim Lausitzer online. Neben Fehlerbehebungen ist folgendes neu:

  • zu eng stehende Marker auf der Karte werden nun im Kreis angeordnet, wenn der User seine Maus drüber bewegt (MarkerDispersion)
  • neues Premium-Buchungs-System: Features auf dem Atlas können nun noch leichter in Premium-Pakete gepackt und einzelnen Unternehmen zugeordnet werden, so dass diese Refinanzierungsmöglichkeit nun noch ausgefeilter funktioniert
  • erste Version des Marktplatzes: Gesuche können von Unternehmen eingetragen werden
  • Import-Funktion für vorhandene Unternehmens-Listen
  • diverse Verbesserungen für die Administration
  • Daten-Abnahme aus dem Atlas zur Einbindung in andere Webseiten erleichtert: Beim Elbtaler wird jetzt live die Zahl der Elbtaler-Konten sowie die umlaufende Elbtaler-Menge dargestellt (rechter Rand der Webseite: Zahlen des Elbtalers)

Die Software hat zwischenzeitlich eine eigene Web-Präsenz bekommen, wo drei relativ schnell umsetzbare Einsatzbereiche dargestellt sind: www.regionalatlas.net

 

Aus Schlecker wird die unabhängige Dorfladenkette

Nur weil ein Unternehmen zahlungsunfähig ist lösen sich Mitarbeiter und Läden nicht in Luft auf. Statt den zerfallenen Strukturen des Schlecker-Imperiums hinterherzutrauern, bemühen sich interessante Kooperationen darum, die brachliegenden Ressourcen der Schlecker-Pleite in wertvolle Dorfläden zu verwandeln. Sehr anschaulich beschreibt das ein aktueller Artikel bei SPIEGEL Online:

In Erdmannhausen liegen das Rathaus, ein Bäcker und ein Metzger in Laufweite zum Laden. Direkt gegenüber bietet ein "Gockelmobil" Hähnchen an. Aber wenn die 5000 Einwohner andere Sachen für den täglichen Bedarf nicht mehr im Ort bekommen, dann fahren sie nur noch in die großen Einkaufszentren der Städte, sagt Frank. Dann machen irgendwann auch der Bäcker und der Metzger dicht. "Dann haben wir einen Geisterort. Wer will denn da noch wohnen?"

...

In der Tat ist es auch ein gesellschaftliches Experiment, das hier abläuft. Verkäuferinnen, die von Schlecker vor allem als Befehlsempfängerinnen gesehen wurden, sollen nun in Eigenverantwortung die Läden führen. Und die Bürger sollen ihren Teil dazu beitragen, dass die kleinen Verkaufsstellen eine Chance haben.

Interessant sind auch die Finanzierungswege, die die Organisatoren einsetzen. Aus einem "Stützli" könnte leicht eine Regionalwährung werden...

Regiogeld in Hannover

In Hannover bekommt die Regiogeld-Idee neuen Schwung. Seit 2006 hielt der Verein Leine-Kies mit Markus Schwarz und Michael Jürging das Thema wach - mit Vorträgen, regelmäßige Stammtischen und Vernetzungsarbeit zu anderen Initiativen und Unternehmen.

2012 erweiterte sich der Kreis zu einem „Runden Tisch für Regiogeld in Hannover“. Aktivisten von der Occupy-Bewegung, der örtlichen Transition Town-Initiative, dem Verein Wandelwerte, UnternehmerInnen und Privatleute kamen zum Leine-Kies Treffen. Ein erweiterter Kreis der Regiogeld-Interessierten entstand.

Im Herbst 2012 könnte sich der Kreis der aktiven Regiogeld-Freunde in Hannover nochmals erweitern: Es finden Veranstaltungen statt, um die Stimmung zu dem Thema zu ergründen, und weitere Schritte auf dem Weg zur Komplementärwährung zu beleuchten.

Unterstützt werden die Akteure von einem städtischen Unternehmen: Die Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover wird die Veranstaltung als Kooperationspartnerin begleiten. Sie möchte das Bürgerengagement fördern und sieht im Regiogeld eine Lösung für die Herausforderungen unserer Zeit, u.a. auch zur Finanzierung von Unternehmungen aus dem Bildungsbereich, sozialen Werkstätten, Förderung von Kunst und Kultur.

Die bevorstehenden Regiogeld-Termine in Hannover werden beworben über die Veranstaltungsreihe „Urban FutureS – Stadt im Wandel“, insbesondere über die Verteiler der Stiftung Leben und Umwelt Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen, Rosa Luxemburg-Stiftung, Pavillon Hannover, Agenda21-Büro der Landeshauptstadt Hannover.

http://www.slu-boell.de/calendar/VA-viewevt.aspx?evtid=11717

 

27.09.2012, 18:00 Uhr, Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover, Theodor-Lessing-Platz 1, 30159 Hannover

Worldcafé-Abend zur solidarischen Ökonomie und zum Regiogeld. Es werden Meinungen und Themen gesammelt, um ein Stimmungsbild für beide Themen in Hannover zu erhalten. Die Veranstaltung dient als inhaltliche Grundlage für das Workshop-Wochenende im Oktober.

 

20.10.2012 und 21.10.2012, 09:00 – 17:00 Uhr an beiden Tagen, ein späteres Hinzukommen am Vormittag ist möglich; mit Margrit Kennedy

Intensiv-Workshop, um die erforderlichen nächsten Schritte auf dem Weg zur Regiogeld-Stadt Hannover zu beschreiben. Mit Open Space, Elementen des Dragon Dreaming, Unterstützung erfahrener Moderatoren aus der Projektarbeit und der Mithilfe der Anwesenden entsteht bis zum Sonntagnachmittag ein Gesamtbild der Chancen und Widrigkeiten für Regiogeld in Hannover.

Am Sonntagnachmittag, 21.10., kommt Margrit Kennedy dazu: Sie möchte die Arbeitsergebnisse des Wochenendes erfahren und das weitere Vorgehen mit den Teilnehmern des Workshops besprechen.

 

Ansprechpartner Runder Tisch für Regiogeld in Hannover:

  • Maren Coldewey, maren_bbs@gmx.de, Telefon: 0511-629897
  • Gert Schmidt, gs@wandelwerte.de, Telefon: 0511-64216481

Die Griechen werden Selbstversorger

Dass die griechische Tragödie viel mit unausgeglichenen Handelsbilanzen in einem riesigen Währungsraum zu tun hat, wissen inzwischen viele. Dass die Krise Kreativität fördert zeigte sich bereits in unserem Bericht über neue Verrechnungssysteme in Griechenland. Nun scheint sich der Trend zu verstärken: Heimische Produkte spielen wieder eine größere Rolle. Aus Kostengründen aber auch aus Verständnis der Situation heraus legt vor allem der Landwirtschaftsbereich zu. "Die Griechen werden Selbstversorger" titelt Spiegel Online. Funktionieren kann dies aber natürlich nur, wenn noch genügend Unternehmer und Know-how vorhanden ist, um die Eigenproduktion wieder anzukurbeln. Der Erhalt lokaler Produktionsmethoden und regionaler Wirtschaftsnetzwerke kann für Krisensituationen also notwendig sein. Wieviel Engagement sieht man im exportorientierten Deutschland für solcherlei Strategien?

Transition Towns auf der Euregia-Regionalentwicklermesse in Leipzig

Von 22. bis 24. Oktober findet im Leipziger Messegelände die Euregia statt: Die Messe für Kommunal- und Regionalentwicklung in Europa. Wir werden mit dem Netzwerk der Transition-Initiativen DACH vor Ort sein. Für den 22. Oktober von 14 bis 16:30 Uhr haben wir einen Kongressbeitrag vorgesehen unter dem Titel:

Transition Towns - Energie- und Klimaanpassungsstrategien über Bürgernetze

Sprechen werden:

  • Andreas Poldrack, Postfossile Zukunft, Dresden: "Vom Peak Oil zur Vision einer Stadt im Wandel"
  • Nikolaus Huhn, Geschäftsführer Energie Gewinnt! aus Jena: "Die Stärken der Region entdecken"
  • Norbert Rost, Büro für postfossile Regionalentwicklung, Dresden: "Studienvorstellung: Peak Oil in Sachsen"
  • sowie Akteure von "Leipzig im Wandel", der Transition-Initiative Leipzig: "Die Transition Town Bewegung, ihre Hintergründe und Erfahrungen in Leipzig"

Der Kongressbeitrag soll einen Überblick geben, mit welchen Themen sich Transition-Initiativen befassen, wie diese im kommunalen Prozess zu betrachten sind und welche Chancen darin liegen, breite Bürgerbeteiligung für Energie- und Klimaanpassungsstrategien möglich zu machen. Auch die Erfahrungen, die mit solchen Initiativen in den vergangenen Jahren gesammelt wurden, sollen zur Sprache kommen.

Wir stehen nicht nur direkt nach dem Kongressbeitrag zum Gespräch zur Verfügung, sondern auch an einem kleinen Ausstellerstand. Für intensivere Gespräche mit einzelnen der oben genannten Akteure empfiehlt sich eine Terminabstimmung.

Mehr Informationen zur Euregia: www.euregia-leipzig.de

Ein Land an der Armutsgrenze – Welche Alternativen hat Griechenland?

Parallelwährungen sollen Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Griechenland. Noch hält die Regierung am Sparkurs, der die Bedingung für Hilfskredite von EU und IWF ist, fest. Ob dies in Zukunft so bleiben wird, darf angezweifelt werden. Die Parlamentswahl Mitte Juni wird zeigen, ob die Befürworter des Sparens an der Macht bleiben. Die Zeichen sprechen dagegen, aktuelle Umfrageergebnisse deuten für ein baldiges Ende des Kurses hin. Trotzdem spricht sich die Mehrheit der Griechen dafür aus, in der Eurozone zu bleiben. Bei einem Austritt würden die Hilfszahlungen der EZB an die Banken des Landes eingestellt, die neue griechische Währung stark abgewertet werden, die griechische Wirtschaftsstärke dürfte sich der bulgarischen annähern. Die Griechen wären wieder wettbewerbsfähig, jedoch deutlich ärmer. Wahrscheinlich müsste die EZB die griechischen Schulden sogar abschreiben und damit herbe Verluste hinnehmen.

Wie wird die zukünftige Schuldenpolitik des Landes aussehen? Vorschläge gibt es zuhauf. Jüngst hat auch die Deutsche Bank, in Gestalt ihres Chefvolkswirts Mayer, empfohlen, eine griechische Parallelwährung zum Euro einzuführen. Der Staat solle seine laufenden Ausgaben mit Schuldscheinen bezahlen, die gehandelt werden könnten und somit eine zweite Währung wären. Eine Abwertung (geschätzt 2:1€) wäre so möglich und der Euro könnte trotzdem behalten werden. Die neue Drachme wäre durch Staatsbesitz, der vorher in ein Sondervermögen eingebracht würde, gedeckt. Laut Udo Neuhäußer, Ministerialrat im Bundeswirtschaftsministerium, könnten Grundstücke, Immobilien, Firmenbeteiligungen und Infrastruktur einen Nachfrageimpuls in der Größenordnung von mindestens 150 Milliarden Euro schaffen¹. Dieses Geld könnte die Wirtschaft ankurbeln und Griechenland wieder wettbewerbsfähig machen. Die Auslandsschulden wären durch Kredite von IWF und EU gedeckt, gut für zum Beispiel die Deutsche Bank, die dann weniger in der Gefahr stünde, Forderungen an das Land abschreiben zu müssen. Außerdem solle man eine Garantie für griechische Bankeinlagen aussprechen, um zu verhindern, dass die Griechen aus Angst vor der Abwertung ihre Banken stürmen, so Mayer. (mehr …)