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Das Demografie-Problem ist ohne Bürokratieabbau kaum lösbar

Nicht wenige Regionen haben mit ihr zu kämpfen: Mit der "demografischen Entwicklung". Damit ist nicht nur gemeint, dass "die Deutschen" immer älter werden, sondern auch, dass sich in einzelnen Kommunen und Regionen die Zusammensetzung der Bevölkerung verwandelt. Da gibt es Rentner im Überfluss und es fehlen Kinder und Fachkräfte. Deshalb werden Kindergärten geschlossen oder Schulunterricht fällt mangels Lehrern aus. Dagegen sind Pflegeheime der neue Boom-Markt: Von von 9.700 in 2003 auf 11.000 in 2007 wuchs ihre Zahl und die Zahl ambulanter Pflegedienste legte im gleichen Zeitraum um 900 auf 11.500 zu (Quelle: Destatis).

Zur Vergreisung kommt die Abwanderung. Auch wenn sich die Politik kaum mit offenen Worten äußert, ist es mancherorts bereits beschlossene Sache, dass die Infrastrukturen einzelner Dörfer oder Kleinstregionen nicht mehr staatlich erhalten wird. Weiße Flecken auf der Landkarte entstehen, weil Dörfer leergezogen werden und es sich nicht mehr lohnt, hinzuziehen, weil absehbar ist, dass die Infrastruktur (wie Straßen und Stromversorgung) zerfällt. Beschleunigungsspiralen setzen ein, wenn der Fluss der Abwandernden zunimmt. Zuerst gehen die Jungen, sie sind flexibel und wollen die Welt erleben. Wer anderswo Wurzeln schlägt kann in der alten Heimat keine Kinder in die Welt setzen, also fehlt der Nachwuchs. Wo der Nachwuchs schwindet werden Kitas und Schulen mangels Kindern geschlossen, es lohnt also für Interessierte auch nicht in diese Gegenden zu ziehen, denn dort wird es tendenziell an Betreuungsangeboten fehlen. Ein Teufelskreis.

Das Problem ist bekannt, doch Lösungen sind kaum zu finden. Das Elterngeld mag für einen kleinen Babyboom gesorgt haben, ob der nachhaltig ist, wird sich zeigen. Absehbar ist jedoch, dass Verschiebungen in der Altersstruktur zu Verschiebungen auf der ökonomischen Seite führen werden. Die Logik: Eine Gesellschaft kann nur verteilen, was sie zuvor produziert hat. Auch Rentnern kann nur gegeben werden, was vom produzierenden Teil einer Gesellschaft erwirtschaftet wird. (Daran ändern auch private Rentenversicherungen nichts, die nur ein Mechanismus der Güterverteilung sind, nicht jedoch der Güterproduktion.) Damit stellt sich jedoch die Frage, wie groß eigentlich der Anteil der produzierenden Menschen in einer Gesellschaft ist. Denn spätestens wenn alle arbeitsfähigen Bürger als Pflegekräfte arbeiten wird deutlich, dass niemand mehr übrig bleibt, der Brötchen bäckt.

Längst nicht alle arbeitenden Menschen in unserer Gesellschaft tragen tatsächlich etwas zur Steigerung der nutzbaren Güter und nützlichen Dienstleistungen bei. Auch wenn es an ein Tabu rührt (und von den zugehörigen Lobbygruppen als Affront angesehen werden dürfte), muss doch erwähnt werden, dass die Arbeit so mancher Berufsgruppe nicht einmal förderlich, sondern im Gegenteil hemmend auf den Wirtschaftsoutput wirkt. Dazu gehört im Allgemeinen jeder Sektor, der Bürokratie produziert.

Allein in Deutschland gibt es 88.000 Steuerberater. In jeder der Kanzleien arbeiten Angestellte. Die Produktion dieser Branche ist nichts, was in irgendeiner Form gesellschaftlich nutzbar ist, vielmehr ist ihr Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Produktion negativ: In jedem Unternehmen werden Dokumente gehortet, die von Steuerberatern verwaltet, sortiert, bearbeitet und verarbeitet werden; vor allem um gegenüber dem Finanzamt Rechenschaft abzulegen. In Kombination mit der Art der Steuererhebung bindet dieses System nicht nur die Arbeitskraft von weit über 100.000 Menschen in den Steuerberatergesellschaften, sondern auch Arbeitskraft in den Unternehmen. Wer Dokumente abheftet, kann währenddessen keinen Kundendienst machen. Ähnliches wie für Steuerverwalter gilt auch für Anwälte. Der nutzbare Output dieser Branche geht gegen Null, aber allein in Deutschland arbeiten über 150.000 Menschen als Anwalt.

Es gibt in Deutschland 150 Krankenkassen, die sich alle einen Verwaltungswasserkopf leisten. Eine halbe Million Menschen befasst sich allein mit Verwaltungaufgaben im Bereich der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung oder mit der Arbeitsverwaltung. Dort werden die ca. 4 Millionen "Arbeitslose" verwaltet, die zwar als arbeitswillig gelten, aber einfach im ökonomischen System nicht "untergebracht" werden können. So einige dieser Leute bekommen sicher deshalb keinen Job, weil der Erwerb eine Reisegewerbekarte oder anderen genehmigungspflichtigen unternehmerischen Aktivitäten so manchen Gründer davon abhält, einfach loszulegen.

Wer ein Unternehmen gründet, muss bei entsprechender Expansion bald Stellen dafür schaffen, die Statistischen Ämter mit Daten zu beliefern. Wer beispielsweise mehr als 300.000 Euro Umsatz mit anderen EU-Ländern macht, unterliegt einer Meldepflicht und muss sogar das Porto für den Versand dieser Meldungen übernehmen, wenn er sie nicht online einreicht. Was durch solche Strukturen an Overhead geschaffen wird (wie der Informatiker sagt), ist unglaublich. Da zeigt sich, welches ungehobene Potential und welche unglaubliche Verschwendung an Produktivressourcen in dieser Gesellschaft schlummern.

Wer Papier sortiert, kann keine Maschinen bedienen, keine Schüler unterrichten, Krippenkinder erziehen oder alte Menschen pflegen. Wo Fachpersonal fehlt, um diese Dinge zu tun, sollte künftig auch der Ruf nach weniger Bürokratie erfolgen, um Produktivkräfte freizusetzen, die bislang noch im Papierdschungel verloren sind. Was sagt es aus über eine Gesellschaft, in der alle über "Demografieprobleme" jammern, sich aber zugleich papierne Fesseln anlegen? Besonders drastisch fand ich die Aussage eines Mitarbeiters einer Handwerkskammer. Vor 20 Jahren, so sagte er, hatte er noch 80% seiner Zeit zur Verfügung, um Handwerkern wirklich behilflich zu sein, der Bürokratie-Overhead lag bei 20%. Wenn er seinen Job an den Nagel hängt, was nicht mehr allzu lange hin ist, wird das Verhältnis umgekehrt sein.

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