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Interview mit Peter Krause von Coinstatt

Norbert Rost: Was ist Coinstatt?

Peter Krause: Coinstatt ist ein Kooperationsring für Menschen, die neben der Standardwährung Euro eine Komplementärwährung verwenden wollen. Wir selbst bieten dafür die leistungsgedeckte Verrechnungseinheit Coin an.

N. R.: Welche Ziele verfolgt Coinstatt?

P. K.: Als wir vor etwa vier Jahren mit zunächst fünf Leuten die Idee für einen solchen Kooperationsring hatten, ging das aus dem Anliegen hervor, etwas ökologisch sinnvolles für die Region zu schaffen, in der wir leben. Wir wollten und wollen etwas für Menschen tun, die in ihrem Leben in unserem Sinne gute Ziele verfolgen, aber mit vergleichsweise knappen finanziellen Mitteln auskommen müssen. Ebenso ist es eines unser Anliegen, Gewerbebetriebe zu unterstützen, die – meistens inhabergeführt – für die wohnortnahe Versorgung sinnvoll und unverzichtbar sind und die meistens auch sehr interessante gewerbliche Angebote außerhalb des Mainstream machen.

N. R.: Wer sind die tragenden Akteure?

P. K.: Die im eigentlichen Sinne tragenden Akteure sind mittlerweile mehr geworden und kommen inzwischen auch nicht mehr nur aus dem Ruhrgebiet. In unserer Gruppe sind die Aufgaben derart verteilt, dass auch unterschiedliche Interessen dadurch ausgedrückt werden. Nach unserer September-Konferenz im vergangenen Jahr sind weitere Menschen in den tragenden Kreis gekommen, die sehr eigene Impulse mitbringen und damit auch frischen Wind.

N. R.: Ihr firmiert als Genossenschaft in Gründung. Wie läuft der Gründungsprozess bis hierher ab? Wie soll er weitergehen?

P. K.: Ursprünglich sind wir als Gesellschaft bürgerlichen Rechts gestartet. Vor etwa einem Jahr haben wir unser Konzept und die bis dahin gemachten Erfahrungen überdacht. Unsere Frage war und ist, welche Rechtsform die für unser Vorhaben die geeignete ist. Das genossenschaftliche Modell ist eines, das unseren Vorstellungen von gemeinsamer unternehmerischer Verantwortung am nächsten kommt. Im Gründungsprozess zeichnet sich mittlerweile ab, dass es aber auch andere denkbare Rechtsformen für die Arbeitsbereiche von Coinstatt gibt. Möglicherweise werden wir verschiedene Bereiche von Coinstatt in jeweils eigenen Rechtsformen betreiben. Diese Überlegungen sind im Moment in Entwicklung, noch nicht abgeschlossen und ich bin mittlerweile sehr überzeugt davon, dass so ein Prozess einfach eine gewisse Zeit braucht. Im Herbst werden wir wieder unsere Septemberkonferenz haben. Bis dahin sind noch einige Aufgaben zu bearbeiten, dann werden wir auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicken und weitere Richtungsentscheidungen treffen.

N. R.: Welches Geschäftsmodell hat die Genossenschaft? Sie muss, schon allein um die Prüfungskosten des Genossenschaftsverbandes zu begleichen, aber auch um die Arbeit der tragenden Akteure nicht mit unbezahlter Freiwilligkeit überzustrapazieren, Geld verdienen.

P. K.: Ja, ein echtes Geschäftsmodell ist außerordentlich wichtig. Da kommen wir in unserem Interview an einen sehr wichtigen Punkt. Unsere eigenen, mit Coinstatt gemachten Erfahrungen decken sich offensichtlich mit denen, die in anderen ähnlichen Initiativen gemacht wurden. Ich will das mal so sagen: Am Anfang steht die Idee, ich sage mal, ein alternatives Wirtschaftsgebilde zu schaffen. In einem Kooperationsring zur Verwendung einer Komplementärwährung geht es ja um weitaus mehr, als nur um die Verwendung eines eigenen, nicht-staatlichen Zahlungsmittels. Es geht um Lebenswirklichkeiten, die einerseits aus unternehmerischen Ideen und andererseits aus den Interessen der Verbraucherschaft hervorgehen. Insgesamt befinden wir uns damit in einem recht neuen Bereich, insofern nicht nur alternative Wirtschaftsformen geübt werden, sondern sogar auch mit einer eigenen Währung umgegangen wird.

Wir haben mittlerweile einige Erfahrungen sammeln können, aber den echt tragenden Businesscase haben wir vielleicht immer noch nicht formulieren können. Wir nähern uns dem sicherlich, haben aber noch einiges an Arbeit vor uns. Was sind die Alleinstellungsmerkmale, mit denen man sich im großen Marktgeschehen sichtbar macht? Wie kann von den einzelnen Menschen bis zu größeren Unternehmen spezifische wirtschaftliche Kraft geweckt und in den Kooperationsring eingebunden werden? Und natürlich auch: Wie gelingt es, eine solche Wertschöpfung zu entwickeln, dass für die Professionells in den eigenen Reihen auch auskömmliche Gehälter gezahlt werden können?

Die Gründungskosten für eine Genossenschaft sind der allerkleinste Teil des Notwendigen. Ich sehe das heute so, dass man keine solche Initiative starten sollte, wenn nicht wenigstens die 50.000 Euro da sind, die man mindestens braucht, um überhaupt erstmal starten und ein erstes Jahr vernünftig arbeiten zu können. Wir wollen ja nicht für uns selbst die Arbeitsbedingungen schaffen, die wir bei den Discountern usw. als unmöglich und unwürdig erleben! Also, es ist die Frage, was man will. Wenn man ein Geschäftsmodell sucht, mit dem man eine Komplementärwährung betreiben will, wenn man nicht nur freizeitaktiv etwas für die Region tun will, dann gehört dazu auch ein Businessplan, der sich rechnen muss.

Wir haben bei Coinstatt zwar auf sehr bescheidenen Niveau den Break even erreicht, aber den Return of Invest noch lange nicht. Auch wir suchen nach wie vor nach Wegen, auf denen uns unsere Arbeit unter solchen Bedingungen ermöglicht wird, wie es eigentlich sein müsste. Unsere Einnahmen erzielen wir mit Leistungen, die sehr breit angelegt erbracht werden: Gewerbetreibende miteinander vernetzen, Projekte und Investitionsvorhaben zu gemeinsamen machen, Vorträge und Seminare zu den Themen alternativen Wirtschaftens.....

N. R.: Was sind die jüngsten Projekte, die ihr umsetzt? Ich weiß von Büchern und einer Art Geldkongress, der 2012 in Leipzig stattfinden soll.

P. K.: Zur Zeit arbeiten wir an zwei Richtungen, die durch unsere letzte September-Konferenz aufgetaucht sind. Wir haben die Coinstatt-Akademie ins Leben gerufen, in der wir uns für die Verbreitung von Wissen um neue Wirtschafts- und Geldformen engagieren. Wir bieten z.B. einen Fernkurs zu Verständnis und Verwendung von Komplementärwährungen an und organisieren den fairventure-Kongress, der im Juni 2012 in Leipzig stattfinden wird. Das ist die eine der beiden Richtungen. Zweitens starten wir demnächst mit einer Solidargemeinschaft, die auf der Basis von Coin und Euro funktionieren wird, und durch die untereinander zinsfreie Liquiditätshilfen gewährt werden. Dem liegt ein Bankingmodell zugrunde, ähnlich wie es das der schwedischen JAK-Bank ist.

Wir wollen in allen Bereichen praktikable Lösungen suchen und verbreiten, mit denen daran interessierte Menschen neue Wirtschafts- und Geldformen im eigenen, alltäglichen Leben realisieren können. Dieser Aspekt führt wieder zum gesuchten Businesscase, insofern ich glaube, dass wir tragende Modelle und Unternehmensformen in unserem Bereich nur dann und soweit entwickeln können, wie wir uns miteinander vernetzen und austauschen: Die Komplementärwährungen im Kontext der Grundeinkommensideen sehen lernen, Tauschkreise und permakulturell engagierte Gruppen miteinander in einen Austausch bringen. …. Für alle diese verschiedenen Lebensbereiche wurden jeweils verschiedene Handlungsmodelle entwickelt und bis zu einer gewissen Professionalität geführt. Nun kommt es darauf an, dass wir in der Vernetzung der gemachten Erfahrungen undogmatisch und von Herzen aufgeschlossen miteinander die Lösungen formulieren, die wir als Menschheit so dringend brauchen. Daran wollen wir mit Coinstatt arbeiten, das ist die Idee von fairventure.

N. R.: Welchen fachlichen Hintergrund hast du als Person?

P. K.: Meine Eltern waren Kaufleute und als Kind habe ich an der Waldorfschule bereits erlebt, das Alternativen möglich sind. Diese Erfahrung hat mich auch zur Anthroposophie geführt, die ich nach dem Christentum als meine persönliche geistige Basis bezeichnen würde. Ende der 70er-Jahre habe ich Kunst, Pädagogik und Theologie studiert und danach in verschiedenen Initiativen gearbeitet, die immer irgendwie auch mit wirtschaftichen Fragen zu tun hatten. Später habe ich noch ein Wirtschaftsstudium absolviert und einen mittelständischen Industriebetrieb geleitet. Meiner inneren Überzeugung folgend begann ich vor ein paar Jahren damit, mich intensiv mit neuen Wirtschafts- und Geldformen zu beschäftigen, was schließlich auch dazu führte, dass ich Coinstatt mit gegründet habe.

 

1 Kommentar to “Interview mit Peter Krause von Coinstatt”

  1. als langjährig aktives attac-Mitglied auf der Suche nach verwirklichbaren besseren Modellen einer Zukunft-Gesellschaft habe ich u.a. über Gesell’sche Mitstreiter gelesen; hier habe ich einen Ankerplatz gut beschrieben gefunden.

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